Löwenzahn-Taraxacum officinale
Der Gewöhnliche Löwenzahn stellt eine Gruppe sehr ähnlicher und nah verwandter Pflanzenarten in der Gattung Löwenzahn aus der Familie der Korbblütler
(Asteraceae) dar. Meist werden diese Pflanzen einfach als Löwenzahn bezeichnet, wodurch Verwechslungsgefahr mit der Gattung Löwenzahn (Leontodon), auch Milchkraut und Schaftlöwenzahn genannt,
besteht.
Schon kleine Kinder kennen den Löwenzahn und erfreuen sich an den lustigen Pusteblumen, mit denen sie ihn immer weiter verbreiten. Auf fast jeder Wiese steht er, und nur wenige wissen, daß er eine vorzügliche Heil- und Küchenpflanze ist.
Die vielen mundartlichen und umgangssprachlichen Bezeichnungen des Löwenzahns spiegeln seinen Bekanntheitsgrad wider. Einige dieser Namen beziehen sich auf seine harntreibende Wirkung (Diuretikum): Bettnässer, Bettpisser, Bettschisser, Bettseecher, Bumbein, Bumbaum, Hundeblume, Hundsblume, Kuhblume, Mühlenbuschen, Pissblume, Pisser, Pissnelke, Pusteblume, Rahmstock, in der Schweiz Chrottepösch(e), Weihfäcke (Federn einer Weihe), Milchblueme oder Söiblueme, in Frankreich Pissenlit.
Pflanzenbeschreibung:
Der Löwenzahn ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die eine Wuchshöhe von 10 cm bis 30 cm erreicht und in allen Teilen einen weißen Milchsaft enthält. Seine bis zu 1 Meter (selten auch bis 2 Meter) lange, fleischige Pfahlwurzel ist außen dunkelbraun bis schwarz. Sie geht in eine kurze, stark gestauchte Sprossachse über, auf der die Blätter dicht in einer grundständigen Rosette stehen. Nach einer Verletzung des Vegetationspunktes regeneriert sich die Pflanze aus der Wurzel und bildet dann meist mehrere Blattrosetten. Die 10 bis 30 cm langen Blätter sind eiförmig bis eilanzettlich, unregelmäßig stark gelappt und tief eingeschnitten und gezähnt. Einschnitte und Zähne sind von der Basis bis zu etwa zwei Drittel der Länge stark, weiter zur Blattspitze häufig geringer ausgeprägt.
Den Blattachseln entspringen meist mehrere, bis zu 60 cm lange Blütenstandsstiele. Jeder ist eine blattlose, außen schwach befilzte, hohle Röhre. An ihrem oberen Ende stehen dicht spiralig verteilt 30 bis 40 abstehende Hochblätter, die bald austrocknen. Darüber bildet ein Wirtel aus Hüllblättern einen anfangs geschlossenen Schutz um die Blütenstandsknospe. Die Hüllblätter öffnen und schließen sich schützend mit dem Blütenstand und bleiben bis zur Fruchtreife grün. Der Blütenstand ist eine Scheinblüte, in dem viele gelbe Zungenblüten zu einem tellerförmigen Körbchen von etwa drei bis fünf Zentimeter Durchmesser zusammengefasst sind. In ihm öffnen sich die Einzelblüten ringförmig von außen nach innen. In der mehrere Tage währenden Blütezeit schließt sich der Blütenstand jeweils bei Nacht, Regen oder Trockenheit und schließlich beim Verblühen. Nach mehreren Tagen öffnen sich die Hüllblätter letztmals bei Fruchtreife und entlassen zuerst die eingetrockneten und abgestoßenen Blütenhüllen der Zungenblüten. Die Früchte, schlank tonnenförmige, mit haarigen Flugschirmen (Pappus) ausgestattete Achänen, werden durch den Wind ausgebreitet (Schirmflieger). Der mit den Früchten besetzte Kopf des Blütenstandes ist die bekannte „Pusteblume“.
In Mitteleuropa ist die Hauptblütezeit von April bis Mai. In deutlich geringerer Anzahl erscheinen Blüten auch noch bis in den Herbst.
Da einige Merkmale sehr plastisch sind, können sich die einzelnen Pflanzen stark den jeweiligen Standorten anpassen. So produzieren Pflanzen an ungestörten Standorten lange, schräg aufrecht gehaltene Blätter und bis zu 50 cm lange, aufrechte Blütenstandstiele. Pflanzen auf begangenen Wegen oder häufig gemähten Wiesen haben dagegen viel kürzere, dicht dem Boden aufliegende Blätter und niederliegende, manchmal nur wenige Millimeter lange Blütenstandstiele.
Standort:
Der Löwenzahn wächst bevorzugt auf gedüngten frischwiesen und -weiden, häufig betretene und überflutete Rasen, nährstoffreiche Krautfluren und Pioniergesellschaften
trockener Böden.
Heilwirkung:
-blutbildend
-blutreinigend
-harntreibend
-tonisierend
-Bronchitis
-Husten
-Fieber
-Appetitlosigkeit
-Frühjahrsmüdigkeit
-Verstopfung
-Magenschwäche
-Hämorrhoiden
-chronische Gelenkerkrankungen
-Rheuma,
-Gicht
-Leberschwäche
-Gallenschwäche
-Gallensteine
-Nierensteine
-Allergien
-Arteriosklerose
-Wassersucht
-Kopfschmerzen
-Wechseljahrsbeschwerden
-Menstruations fördernd
-Schönheitsmittel
-chronische Hautleiden
-Pickel
-Ekzem
-Hühnerauge
-Warzen
Der Löwenzahn ist eine alte und gern genutze Pflanze der Volksmedizin, bei der sich der Einsatz als Heil- und Nahrungsmittel überschneidet. Sie ist ein mildes Mittel
zur Steigerung der Gallensekretion. Die ganze Pflanze einschließlich der Wurzel wirkt harntreibend und ist außerdem förderlich bei leberbeschwerden, Gicht und rheumatischen Erkrankungen.
Volksmedizinisch wird sie auch als Blutreinigungsmittel, bei Verdauungsbeschwerden und als mildes Abführmittel empfohlen. Äußerlich wird sie bei Ekzemen und anderen Hauterkrankungen angewendet.
Der milchige Saft kann auf Warzen aufgetragen werden, sollte aber nicht in die Augen gelangen. Die Homöopathie verwendet die Pflanze bei magenentzündungen und Erkrankungen der Leber.
Verwendete Pflanzenteile: Blätter, Blüten, Wurzel
Die Blätter und Blüten können im Frühling, die Wurzeln im Frühling und Frühtherbst geerntet werden.
Inhaltsstoffe:
Der Löwenzahn enthält Bitterstoffe, Flavonoide, Cumarine, Phytosterine, Schleimstoffe, im Frühjahr circa 18% Zucker (Fructose), Inulin2 bis 40% (im Herbst!), reichlich Kalium (circa 4,5% im Kraut und 2,5% in der Wurzel).
Außerdem 5-mal so viel Eiweiß, 8-mal so viel Vitamin C und doppelt so viel Kalium, Magnesium und Phosphor wie Kopfsalat.
Verwendung in der Ernährung:
Der Grundgeschmack ist chicoreeartig, die Blüten sind süßer und schmecken verarbeitet honigartig.
Die jungen, frischen Blätter sind von März bis Juni eine Rohkost- und Salat-Delikatesse. Wenn man sie fein schneidet und mit Salz oder Wasser eine Stunde ziehen
lässt, werden ihnen die Bitterstoffe etwas entzogen. Zuweilen bleichte man sie im Frühjahr durch Zusammenbinden der Blattrosetten, um sie milder zu machen. Die Blätter eigenen sich auch gut als
Chiffonade auf Suppen. Ihre Verwendungsmöglichkeiten sind außerordentlich vielfältig: als Zutat in Salaten, Rohkost und diversen Hackkräutermischungen, in Bratlingen, Eierspeisen, oder auch
Saucen sowie im Brotteig für Hausbrotmischungen. Man bereitet mit ihnen hervorragende Gemüsegerichte zu, wie z.B. Bittergemüse, Nussgemüse oder Kochgemüse (besonders Gemüsepüree oder Spinat),
außerdem ergeben sie leckere Gemüsechips. Zum Bevorraten können sie eingelegt werden. Getrocknet dienen sie als Würze und Würzbeigabe insbesondere Wildpflanzensalz, oder als Trockengewürz, in
Würzmus oder Pesto.
Aus den Blütenknospen, die man im März und April noch ganz unten in der Blattrosette findet, lässt sich ein delikates Chutney herstellen. Sie schmecken als Nacherei
auch roh sehr lecker. Des Weiteren kann man sie als Gemüse braten oder Kapernartig in Essig einlegen.
Die entkelchten Blüten nutzt man von März bis September (v.a. im Mai) zur Herstellung von Gelee, Sirup oder Wein, als Beigabe zu gemüse und zur Teegetränkbereitung.
Die abgeschnittenen gelben Blütenspitzen sind eine hübsche abschließende Dekoration auf Salaten und Desserts.
Die Blütenstängel eignen sich längs geschnitten von April bis September auch als Salatbeigabe und Gemüse. Zuvor sollte man sie wie die Blätter mit Salz oder Wasser
ziehen lassen. Dabei rollen sie sich auf.
Die Wurzeln kann man von September bis März geschnitten als Salat anrichten. Eine herzhafte Spezialität ist z.B. ein Salatsnack aus in Späne geschnittenen jungen
Wurzeln, den man mit Salz einige Zeit ziehen lässt. Man kann die Wurzeln auch als Gemüse verwenden, wenn man sie, der Bitterkeit wegen, je nach Belieben zuvor etwas wässert. Getrocknet lassen sie
sich gut bevorraten oder zu einem gerösteten Kaffee-Ersatz verarbeiten.
Quelle:
http://de.wikipedia.org
http://www.heilkraeuter.de
Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen -> siehe Literaturhinweise
