Franzosenkraut-Galinsoga parviflora
Das Kleinblütige Knopfkraut oder (Kleinblütiges) Franzosenkraut ist ein häufiges Wildkraut aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae).
Pflanzenbeschreibung:
Das Kleinblütige Franzosenkraut ist eine einjährige, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von etwa 20 Zentimetern erreicht. Der Stängel der Pflanze ist kahl oder nur sehr spärlich anliegend behaart. Die gegenständigen Laubblätter sind ungeteilt und am Rand mehr oder weniger fein gezähnelt. Die Blütenstiele sind etwas dichter behaart, aber die Härchen liegen den Stielen dicht an. Jedenfalls ist die Pflanze nicht zottig behaart wie das Behaarte Knopfkraut.
Die Blütenköpfchen haben einen Durchmesser von knapp 5 mm. Die meist vier bis fünf weißen Zungenblüten sind deutlich kürzer als der halbe Durchmesser des gelben Köpfchens. Sie sind meist ein wenig länger als breit und haben vorne zwei oder drei kleine Zähnchen.
Geschichtliches:
Das Knopfkraut ist ein Weltenbummler. Es stammt wie Tomate, Kartoffel und Mais aus Südamerika. Heutzutage ist es weltweit verbreitet.
Im 18. Jahrhundert kamen die Knopfkräuter aus der neuen Welt nach Europa. 1776 pflanzte man es im Londoner Kew Gardens aus. 1794 fand man es auch in den Botanischen
Gärten von Paris und Madrid. Dem Gründer des Madrider Gartens und Leibarzt des spanischen Hofes, Ignacio Mariano Martinez de Galinsoga, verdankt das Kraut seinen lateinischen Gattungsnamen
galinsoga.
Im Botanischen Garten in Berlin hielt das Knopfkraut 1802 Einzug. Von dort gab man Samen an Pfarrgärten in Pommern, Bremen und sicher auch woanders weiter. In Frankreich baute man das Knopfkraut wegen seiner schmackhaften Blätter teilweise sogar landwirtschaftlich an. Von den Feldern und aus den botanischen Gärten heraus schaffte das vitale Pflänzchen bald den Sprung in die Freiheit und breitete sich fortan verwildert aus. Weil es gerne auf nährstoffreichen und sonnigen Böden wächst, wurde es bald vor allem in Kartoffel- und Gemüseäckern zum gefürchteten Unkraut.
Die explosionsartige Verbreitung des kleinen Wildkrautes fiel in die Zeit der napoleonischen Kriege. Weil man annahm, dass die Franzosen die Samen in ihren Pferdefuttersäcken eingeschleppt hatten, verpasste man ihm den Namen Franzosenkraut. Auch regionale Namen wie Gartenpest, Teufelskraut oder Scheißkraut zeugen von der großen Ablehnung, die dem vitalen Pflänzchen entgegenschlug. Es ist nicht zweifelsfrei erwiesen, dass wirklich die Franzosen für die rasche Verbreitung des Neophyten verantwortlich waren, doch auch der Name „Knopfkraut“ geht auf diese Unterstellung zurück. Die kleinen gelben Blütenköpfchen mit den dreilappigen weißen Blütenzungen sollen den Knöpfen der französischen Uniformen ähnlich sehen. Bezeichnenderweise nennt man die Pflanze in Frankreich „Russenkraut“.
Die Angst der Bauern und Gärtner vor dem vermeintlichen „Franzosen“ rührt von seiner extremen Vitalität. Eine einzige Pflanze kann bis zu 100.000 Samen hervorbringen, manche Quellen nennen sogar eine Samenzahl von 300.000 pro Pflanze. Schon vier Wochen nach dem Keimen können sie wieder erste Blüten bilden. Da die Pflanzen selbstbestäubend sind, sind sie zur Samenbildung nicht auf die Hilfe von Insekten angewiesen. So schaffen sie es auf bis zu drei Generationen pro Jahr. Auch noch nicht ganz ausgereifte Samen können keimfähig sein. Als Leichtgewichte verteilen sich fliegend und schwimmend oder kletten sich mit kleinen Haken an Tierfelle. So können sie sich in Windeseile verbreiten. Liegen die Samen erstmal in der Erde, sind sie mehr als 10 Jahre keimfähig und keimen erst dann, wenn die Bedingungen passen und es warm genug ist. Frühere Gärtner sahen deshalb ihre einzige Chance gegen das Kraut in Flammenwerfer oder Giftkeule.
Heilwirkung:
Da das Knopfkraut in unseren Gefilden eher ein Neuling ist, gibt es hierzulande keine überlieferte volksmedizinische Heilanwendung. Es soll jedoch blutreinigend wirken und gegen Vitamin-C-Mangel und Anämie helfen. In der Homöopathie wird es gegen grippale Effekte genutzt. Die traditionellen Heiler der Afrikanischen Zulu sollen den auch in Afrika verbreiteten Neuankömmling als Mittel gegen hohen Blutdruck entdeckt haben. Klinische Untersuchungen der Universität von Kwa-ZuluNatal in Südafrika bestätigten den blutdrucksenkenden Effekt.
In Brasilien soll der Tee aus Blättern und Blüten des “Picão Branco“ zur Linderung von Magenbeschwerden, Leberschmerzen und anderen Infektionen des Verdauungsapparats angewendet werden. Die Phytotherapie setzt Knopfkrauttinkturen gegen Krebsleiden ein.
Auch auf den Garten hat das Knopfkraut positive Wirkungen. Es liefert wertvollen Kompost und eignet sich zur Gründüngung. Schildkröten, Vögel und Nager haben das frische Kraut zum fressen gern. Chinchillas sollen es lieber getrocknet mögen. Wildbienen und Hummeln besuchen gerne die kleinen Blüten.
Inhaltsstoffe:
Aufgeklärte Wildkrautgärtner nutzen das Knopfkraut als leckeren Vitamin- und Mineralienspender. Obwohl es dem Kopfsalat geschmacklich sehr ähnlich ist, lässt das Franzosenkraut seinen Kulturkollegen bei den Inhaltsstoffen glatt im Regen stehen. Franzosenkraut ist sehr eiweißhaltig und reich an Mineralien wie Kalium und Phosphor. Es enthält fünfmal mehr Magnesium und elfmal mehr Calcium als die gleiche Menge Kopfsalat. Auch bei den Vitaminen steht es besser da und bringt viermal mehr Vitamin A und neunmal mehr Vitamin C auf den Teller. Mit 14 mg pro 100g ist das Franzosenkraut eine der eisenhaltigsten Pflanzen überhaupt und schlägt den Kopfsalat hier um das zwölffache. Zudem enthält es besonders viel Mangan. Mangan ist wichtig für die Bildung von Knochen- und Bindegewebe und spielt eine wichtige Rolle im Fett- und Kohlehydratstoffwechsel.
In der folgenden Tabelle sind der Gehalt von Vitamin-C und einiger Mineralstoffe (in mg/100 g Pflanze) ausgesuchter Pflanzen dargestellt.
| Wildpflanze: |
Vitamin-C |
Kalium | Magnesium | Calzium | Eisen |
| Vogelmiere | 115 | 680 | 39 | 80 | 8,4 |
| Löwenzahn | 115 | 590 | 23 | 50 | 1,2 |
| Brennnessel | 333 | 410 | 71 | 630 | 7,8 |
| Gäsenblümchen | 87 | 600 | 33 | 190 | 2,7 |
| Franzosenkraut | 125 | 390 | 56 | 410 | 14,0 |
| Kulturpflanze: |
Vitamin-C |
Kalium | Magnesium | Calzium | Eisen |
| Kopfsalat | 13 | 224 | 11 | 37 | 1,1 |
| Mangold | 39 | 376 | 0 | 103 | 2,7 |
| Spinat | 52 | 633 | 58 | 126 | 4,1 |
| Rosenkohl | 114 | 411 | 22 | 31 | 1,1 |
| Grünkohl | 105 | 490 | 31 | 212 |
1,9 |
Quelle:
http://de.wikipedia.org
http://www.wilde-pflanzen.de
http://www.wildkrautgarten.de
