Wiesen-Bärenklau-Heracleum sphondylium
Der Wiesen-Bärenklau ist eine Pflanze aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae) und im Gegensatz zum Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) in Europa heimisch. Diese Pflanzenart hat den Namen Bärenklau (="Bärenklaue") erhalten, da ihre lappig gestielten und behaarten Blätter
Tierfüßen ähneln.
Im Volksmund wird der Wiesen-Bärenklau auch Wiesenrhabarber, Bärenfuß, Bärentatze, Wolfsklau (wie der Bärlapp), Emdstengel, Kuhlatsch, Ochsenzunge, Säuchrut, gemeiner Bärenklau und Echter Bärenklau genannt.
Im englischen, Meadow Parsnip oder Cow Parsnip, genannt.
Pflanzenbeschreibung:
Der Wiesen-Bärenklau der eine Wuchshöhen von bis zu 1,5 Metern erreicht ist eine ausdauernde krautige Pflanze. Die Grundachse ist dick, verzweigt und
tiefwurzelnd. Die Pflanze verströmt einen unangenehmen Geruch und enthält reichlich ähterische Öle. Der Stängel ist kantig gefurcht. Die drei- bis vierfach fiederschnittigen Laubblätter
haben eine große, als Knospenschutz dienende Blattscheide.
In einem doppeldoldigen Blütenstand stehen viele weiße, oft leicht grünlich oder hellrosa überlaufene Blüten.
Ähnlich wie beim Wiesenkerbel liegt der Nektar offen in der Blüte und ist daher auch für kurzrüsselige Insekten gut zu erreichen.
Die Früchte sind geflügelte Doppelachänen. Die Früchte reifen zwischen Juli bis September.
Ökologie:
Der Wiesen-Bärenklau ist eine Halbrosettenpflanze.
Die Blüten sind „Nektar führende Scheibenblumen“ und stehen in zusammengesetzten Dolden. Die Randblüten sind „strahlend“. Es ist die Namen gebende Art für den Heracleum-Typ. Die Blüten der Hauptdolde sind meist zwittrig, die übrigen besitzen neben zwittrigen Blüten oft männliche und durch sterile Staubbeutel oder Pollenkörner funktionell weibliche. Die Blüten sind vormännlich das heißt die Staubblätter strecken sich nach ihrer Entfaltung nach außen und entladen den Pollen. Die Griffel mit der kopfigen Narbe entwickeln sich meist später. Sie sind von einem grünlichen, reichlich Nektar absondernden Diskus ("Griffelpolster") umgeben. Die Bestäubung der stark duftenden Blüten erfolgt meißt zufällig durch verschiedenste herumlaufende und sich sonnende Insekten. Diese Pflanze ist die Hauptpollenquelle für die Sandbiene. Zu den befruchtenden Insekten zählen vor allem Fliegen und Käfer.
Vorkommen:
Man findet der Wiesen-Bärenklau, wie der Name schon sagt, verbreitet auf nährstoffreichen und dicht bewachsenen sogenannten Fettwiesen, an Ufern,Gräben in
Auenwäldern und Hochstaudenfluren. Hochstaudenfluren sind von hoch wachsenden, mehrjährigen krautigen Pflanzen bestandene Flächen, die in vielen Landschaften verstreut und meißt kleinflächig zu
finden sind.
Die Pflanze wächst bevorzugt auf lockerem, feuchtem Boden.
Heilwirkung:
-beruhigend
-harntreibend
-schleimlösend
-Husten
-Asthma
-Verdauungsschwäche
-Blähungen
-Durchfall
-Gelbsucht
-Blasenentzündung
-Nierensteine
-Bettnässen
-Menstruationsbeschwerden
Verwendete Pflanzenteile: oberirdisches Kraut und der Wurzelstock
Der Wurzelstock kann im Frühjahr und Herbst geerntet werden, das oberirdische Kraut Juni bis September.
Inhaltsstoffe:
Der gewöhnliche Bärenklau enthält ein ätherisches Öl mit Furocumarinen (diese können eine Photosensibilisierung der Haut bewirken), bis zu 10% Zucker, verschiedene Fettsäuren (Linol-, Palmitin- und Ölsäure), Bitterstoffe, Provitamin A (Beta-Carotin), Eiweiß, Eisen und Kalium. Im Vergleich mit Kopfsalat enthält er mehr als sechsmal so viel Magnesium, achtmal soviel Calcium und etwa 20-mal mehr Vitamin C.
Anwendung
Die Anwendung des Bärenklaus in der Volksmedizin ähnelt der Anwendung von Engelwurz, jedoch gilt der Wiesen-Bärenklau als weniger wirksam und wird nicht so sehr
geschätzt.
Volkstümlich und homöopathisch wird der Gewöhnlichen Bärenklau bei Verdauungsbeschwerden, zur Blutdrucksenkung und bei Husten und Heiserkeit genutzt.
Die Naturheilkunde findet die Pflanze Anwendung bei Störungen des zentralen Nervensystems, Multipler Sklerose und Entzündungen im Rachenraum, ebenso bei Antriebsmangel, Lethargie und Kopfschmerzen.
Die Wurzel nutzte man ähnlich wie Ginseng, als Verjüngungsmittel und Aphrodisiakum.
Verwendung in der Ernährung:
Der ergiebige, selleriearomatische Wiesen-Bärenklau ist für Gemüse, Salate und Gewürze
wunderbar geeignet. Sowohl die stechend-aromatisch, kardamonähnlich schmeckenden Samen, als auch die saftigen Stängel bis zur schärflichen Wurzel, kann man alles in Gerichten
verarbeiten.
Die leider etwas behaarten, dennoch zarten Blätter und weichen Frühjahrstriebe, lassen sich auf vielfältigste Art und Weise zu köstlichen Gerichte verarbeiten: z.B.
Gemüsechips, Nussgemüse, und Füllungen für Gemüsestrudel oder -taschen sowie Lasagne, Würzmus und Pesto, Sauerkraut, aber auch verschiedene Süßspeisen (z.B. süße Sauce, Pudding oder Sorbet sowie
kandierte oder in Schokolade getauchte Naschereien). Als Bratgemüse nutzt man sie meistens paniert oder in Ausbackteig getaucht und ausgebacken bzw. frittiert. Sie sind klein geschnitten eine
feine Zutat in Kochgemüse und Bratlingen sowie Hackkräutermischungen, Salaten, Rohkost, Saucen, Omelett und Gemüsesuppen. Sehr gut eignen sie sich auch als Brotteigbeigabe in Knäckebrot, sowie in
Saft- und Vitalgetränken. Größere Blätter lassen sich zu Blattrouladen verarbeiten.
Ausgereifte, aber auch schon grüne, unreife Früchte dienen von August bis Oktober als Gewürz besonders in Süßspeisen wie Schokolade, aber auch als Aroma in Wein und
Spirituosen sowie zur Herstellung von Bier. Als Würze und Würzbeigabe nutzt man sie gerne in Wildpflanzensalz, Kräuteröl oder -essig und als Trockengewürz.
Auch die weißen, rettrich-ähnlichen Wurzeln finden von September bis März in der Küche Verwendung. Man erntet möglichst faserarme Wurzeln und verarbeitet sie u.a. zu diversen Gemüsebeilagen, z.B. als Bratgemüse oder eingelegt in Salzlake. Als Würze eignen sie sich in Kräuteröl, -essig und Pesto oder gerieben in Wildpflanzensalz und als Trockengewürz.. Sie aromatisieren sowohl Wein als auch Spirituosen und eignen sich zur Herstellung von Mazerationsöl sowie als Kaffeeersatz. Für Gemüsesuppen, Eintopfgerichte und Würzmus nimmt man am besten nur sehr junge, klein geschnittene Wurzeln. Getrocknet und pulverisiert verwendet man sie als Streckmehl für Gebäck.
Bitte keine einzeln stehenden Pflanzen mit Wurzel entnehmen, sondern nur Wurzeln aus großem Pflanzenbestand ernten!
Die großen Blütenknospen sind sehr aromatisch und man verwendet sie von
Mai bis August als zarte Gemüse-Delikatesse oder schneidet sie roh in verschiedene Salat- und Rohkostspeisen. Sie ergeben intensiv schmeckende Füllungen für Gemüsetaschen oder Ofengemüsegerichte
und sind eine Bereicherung in Eierspeisen, gehackten Kräutern, Mischgemüsegerichten, Gemüsesuppen sowie säuerlich gedünstetem Gemüse und Bratlingen. Ganze knospige Blütenstände kann man sehr gut
gedämpft sowie als kurz gebratenes Gemüse zubereiten odr sie würzen und als Gemüse bzw. Antipasti einlegen. Als Würze und Würzbeigaben eignen sie sich besonders in Chutney, aber auch in Kräuteröl
und -essig. Im Sommer aromatisieren die Blüten des Gewöhnlichen Bärenklaus Zucker, Sirup und Spirituosen, aber auch Kräuteröl und -essig. Sie sind würzige Beigaben in Knäckebrot und dekorieren
zudem Salat- und Rohkostspeisen. Als Süßspeise kann man sie kandieren oder zu Sorbet verarbeiten. Aufgrund ihres intensiven Aromas eignen sie sich auch zur Gewinnung von Mazerationsöl. Ganze
Blütenstände kann man in Ausbackteig tauchen und frittieren.
Die dicken saftigen Blattstiele schält man oder reibt sie vor der Verwendung z.B. mit einem Spiralschwamm
ab und befreit sie von groben Fasern, indem man diese der Länge nach herauszieht. Von Mai bis juni sind sie so eine gute Zugabe in Salaten und Rohkost. Als Salatspezialität kann man die Stängel
in dünne Scheiben geschnitten, mit etwas Salz, Öl und zitrone beträufelt servieren. Quer zur Faser klein geschnitten, können sie auch als kurz erhitztes Bratgemüse, halbgares Gemüse oder zu
Gemüsechips sowie in Bratlingen, Eintöpfen und Eierspeisen verarbeitet werden. Man kann sie Gemüsesuppen und Ofengemüsegerichten zugeben oder sie in Essig einlegen. Oft werden sie auch kandiert
oder als Kompott zubereitet bzw. Chutneyvariationen beigemengt. Nur sehr zarte Blattstiele eignen sich als gedünstetes oder gedämpftes Gemüse.
Achtung!
Der Wiesen-Bärenklau kann bei empfindlichen Menschen durch den Kontakt mit der Pflanze eine Wiesen-Dermatitis hervorrufen, vor allem im Zusammenhang mit Sonnenbestrahlung der Haut.
Empfindliche Menschen sollten den Hautkontakt zum Bärenklau meiden und nötigenfalls Schutzbekleidung anziehen, wenn ein Hantieren mit dem Bärenklau nötig ist.
Quelle:
http://www.heilkraeuter.de
http://de.wikipedia.org
Enzyklopädie Essbarer Wildpflanzen -> siehe Literaturhinweise
