Beifuß-Artemisia vulgaris

 

Der Gewöhnliche Beifuß oder Gemeine Beifuß, auch Gewürzbeifuß oder einfach Beifuß genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Artemisia aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Weite Deutsche volkstümliche Namen sind Besenkraut, Fliegenkraut, Gänsekraut, Johannesgürtelkraut, Jungfernkraut, Sonnenwendkraut, Weiberkraut, Werzwisch, Wilder Wermut oder Wisch. Die Pollen des Beifuß sind ein häufiger und bekannter Auslöser allergischer Reaktionen.

 

Pflanzenbeschreibung:

Die ausdauernde, krautige Pflanze erreicht Wuchshöhen von 60 cm bis zu 2 m. Die meißt aufrechten Stängel sind höchstens spärlich behaart. Die fiederteiligen Laubblätter sind derb, meist 2,5 bis 5 (selten bis zu 10) Zentimeter lang und 2 bis 3 Zentimeter breit. Die Blattoberseite ist grün, die Unterseite auf Grund von Behaarung grau-weißlich.

In endständigen, rispigen Blütenständen stehen viele körbchenförmige Teilblütenstände zusammen. Die unscheinbaren, weißlich-grauen, gelblichen oder rotbraunen Blütenkörbchen weisen eine Höhe von 2,5 bis 3,8 Millimeter und einen Durchmesser von 2 bis 3 Millimeter auf. Die Blütenkörbchen enthalten nur fertile, radiärsymmetrische Röhrenblüten, außen sieben bis zehn weibliche und innen (selten fünf bis) acht bis 20 zwittrige. Die eiförmigen Hüllblätter sind filzig behaart. Die gelblichen bis rötlich-braunen Röhrenblüten sind 1 bis 3 Millimeter lang. Die Blütezeit erstreckt sich von Juli bis September.

 

Ökologie:

Der Beifuß ist ein ausdauernder, kurzlebiger Hemikryptophyt, er wurzelt 60-155 cm tief.

 

Die Blüten unterliegen der Windbestäubung, die Pollenfreisetzung erfolgt morgens zwischen 6 und 11 Uhr; er ist ein bedeutender Heuschnupfenerreger. Er blüht schon im ersten Lebensjahr.

 

Die Blütezeit erstreckt sich von Juli bis September.

 

Die Früchte sind nur 1,5 mm lange und 0,1 mg schwere, kahle Achänen ohne Pappus, ihre Hüllblätter bilden von der Funktion her eine Kapsel, die sich bei Trockenheit öffnet und durch den Wind ausgestreut wird. Daneben erfolgt eine Bearbeitungsausbreitung z.B. durch Kleinvögel. Die ganze Pflanze kann pro Jahr bis maximal etwa 500.000 Früchte produzieren. Die Samen sind langlebige Lichtkeimer.

 

Die Fruchtreife beginnt ab September. 

 

Standorte:

Er gedeiht auf kargen Böden und wächst häufig an Wegrändern, Bahndämmen, Böschungen und anderen verwilderten Stellen. Der Beifuß ist sehr anspruchslos. Er kommt auch mit steinigen und trockenen Böden relativ gut klar.

 

Haupt-Anwendung:

-Appetitlosigkeit

Heilwirkung:

-antibakteriell

-antimykotisch

-appetitanregend

-beruhigend

-durchblutungsfördernd

-gelletreibend

-krampflösend

-menstruationsfördernd

-stärkend

-verdauungsfördernd

-wehenfördernd

Anwendungsbereiche:

-Blähungen

-Blasenentzündung

-Chronische Eierstockentzündung

-Durchblutungsstörung

-Durchfall (chronisch)

-Frauenheilkunde

-Gallenschwäche

-Gebärmutterkrämpfe

-Geburt

-Hämorrhoiden

-Kalte Füße

-Kalte Hände

-Menstruationsbeschwerden

-Mundgeruch

-Muskelkater

-Müde Beine

-Nervenanspannung

-Neuralgien

-Periodenschmerzen

-Schlafstörungen

-Übelkeit

-Unruhe

-Verdauungsschwäche

-Wechseljahresbeschwerden

 

Verwendete Pflanzenteile: das ganze Kraut ebenso die Wurzel

Das blühende Beifuß-Kraut wird zwischen Juli und September eine gute Handbreit über dem Boden abgeschnitten.

Die Beifußpflanze kann man anschließend kopfüber an einer trockenen, geschützten Stelle zum Trocknen aufhängen.

Nach dem Trocknen entfernt man die Blätter, Blüten und dünnen Stengel vom Hauptstamm und bewahrt sie kühl und trocken auf.

Im Herbst kann man auch die Wurzel des Beifußes ernten. Man trocknet die kleingeschnittene Wurzel an einem warmen, luftigen Platz oder im Backofen bei unter 50°C.

 

Inhaltsstoffe:

Die Pflanzen enthalten Gerbstoffe, Bitterstoffe (Sesquiterpenlactone), Flavonoide, Cumarine, Triterpene und ätherisches Öl (bis 0,3% - mit Cineol Thujon, das auch dem Wermut den stark bitteren Geschmack verleiht).

 

Anwendung:

Obwohl das Beifußkraut ein breites Anwendungsspektrum hat, sind seine Heilwirkungen fast in Vergessenheit geraten. Wie der Name schon andeutet, wirkt er lindernd bei Beinen und Füßen, die von langen Wanderungen müde sind und weh tun. Dazu kann man ein Öl mit dem Beifusskraut ansetzen, mit dem man bei Bedarf Füße und Beine einreibt. Solch ein Öl kann auch bei Rheumatismus lindernd wirken.

Da er entspannend auf das Nervensystem wirkt, kann man ihn auch bei Nervosität und Schlafstörungen einsetzen, z.B. als Tee vor dem Schlafengehen oder indem man Blüten und Blätter in ein Kissen einnäht und mit ins Bett nimmt. Zusammen mit Baldrianblüten und Lavendel hat solch ein Kissen einen beruhigenden Wohlgeruch.

 

Frauenbeschwerden

In der Frauenheilkunde wirkt Beifusstee vor allem durch seine erhitzenden und anregenden Eigenschaften. Er wirkt menstruationsfördend bei schwacher Periode und da er auch entkrampfend wirkt, hilft er auch gut bei schmerzhafter Periode.

 

Mit seinen wärmebildenden Eigenschaften wirkt er gut bei Unterleibs- und Blasenkatarrhen, chronischen Eierstocksentzündungen und Ausfluss. Um ihn hier zur vollen Wirkung zu bringen, lässt er sich am besten als warmes Fussbad einsetzen.

Als wäre das alles noch nicht genug, wirkt er ausserdem anregend auf die Verdauung, d.h. er fördert die Bildung von Verdauungssäften. Im Gegensatz zu anderen verdauungsfördernden Kräutern hilft er nicht nur Magen und Darm, sondern er unterstützt auch die Bauchspeicheldrüse bei ihrer Arbeit. Daher kann er bei leichter Bauchspeicheldrüsenfunktionsschwäche eingesetzt werden.

 

Geschichtliches:

Der Beifuß wird schon seit Jahrtausenden als Heilpflanze eingesetzt.

Früher galt er als besonders wirksame Heilpflanze und wurde zeitweise sogar als Mutter aller Heilpflanzen betrachtet.

Im alten Ägypten war der Beifuß der Isis geweiht und wurde als Ritualpflanze bei Umzügen verwendet.

In Persien wurde er um 400 v. Chr. von der Königin Artemisia verwendet. Diese Königin ist eine von zwei möglichen Namengeberinnen des Beifußes (Artemisia vulgaris).

Auch die Göttin Artemis kommt als Namensgeberin des Beifußes in Frage. Der Beifuß war ihr geweiht.

Im Altertum, insbesondere in Griechenland wurde der Beifuß vor allem zur Unterstützung bei Geburten verwendet, weil er wehenfördernd wirkt und die Geburt erleichtert.

Die Römer nannten den Beifuß Diania. Er war der Göttin Diana geweiht und wurde wie bei den Griechen zur Geburtsförderung verwendet.

Der Beifuß wird in der Antike von vielen Kräuterkundigen als Frauenheilmittel empfohlen, beispielsweise von Dioskurides, Galen, Hippokrates und Plinius.

Auch im Mittelalter war der Beifuß eine äußerst beliebte Frauenheilpflanze. Er wurde unter anderem von Hildegard von Bingen, Paracelsus, Tabernaemontanus, Culpeper und Leonhart Fuchs empfohlen.

Leonhart Fuchs schreibt in seinem Buch "Kreutterbuch" über den Beyfuß:

"Diese Kreuter gesotten seind seer dienstlich den weiberen zu dampff oder schweyßbädern, dann sie bzingen inen ihre krankheyt, treiben aus das bürdlin und die todten frucht. Sie eröffnen auch die verschlossene muter, brechen und zermalen den stein, und bzingen wider den verstandenen harn."

Die mittelalterlichen Kräuterkundigen verwendeten den Beifuß nicht nur als Frauenpflanze, sondern auch gegen Epilepsie.

Im Rahmen der Christianisierung wurde der Beifuß in den Kräuterstrauß aufgenommen, der Maria geweiht war und zu Maria Himmelfahrt gesegnet wird.

Heutzutage führt der Beifuß ein Schattendasein als Unkraut.

In der offiziellen Phytotherapie wird er nicht verwendet, weil sein bitterer Bruder, der Wermut, stärkere Wirkungen hat. Doch ist es gerade die milde Bitterwirkung, die den Beifuß zu einer wertvollen Heilpflanze macht.

 


Achtung!
Den Beifuß darf man nicht überdosieren und nicht bei Fieber und Früh-Schwangerschaft einsetzen.

Bei manchen Menschen kann der Beifuß allergische Reaktionen oder Asthma-Anfälle auslösen.

Besonders sensible Menschen empfinden den Beifuß als sehr intensiv und können ihn nur selten und in kleinsten Mengen anwenden.

Quelle:

http://de.wikipedia.org

http://www.heilkraeuter.de

 

Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen  -> siehe Literaturhinweise